Ratgeber · Kinder
Zahnen bei Babys: Symptome, Reihenfolge, Beginn und wie man Linderung verschafft
Durchbruchsreihenfolge und -alter der Milchzähne, Symptome während des Zahnens, ob Fieber und Durchfall dazugehören, sichere Methoden zur Linderung und der erste Zahnarztbesuch.

Der erste Milchzahn bricht meist mit 6–10 Monaten als unterer Schneidezahn durch; die 20 Milchzähne sind in der Regel mit 2,5–3 Jahren vollständig. Unruhe, vermehrter Speichelfluss, geschwollenes Zahnfleisch und Beißdrang sind normal. Fieber über 38 °C, Durchfall oder Ausschlag sollten nicht dem Zahnen zugeschrieben, sondern ärztlich abgeklärt werden. Ein kühler (nicht gefrorener) Beißring und Massage mit sauberem Finger lindern; Gele und Ketten werden nicht empfohlen.
Wann beginnt es?
Zwischen Babys gibt es große Unterschiede: Manche bekommen den ersten Zahn mit 3–4 Monaten, andere nach dem 12. Monat. Ist mit 12 Monaten noch kein Zahn da, ist eine zahnärztliche Kontrolle sinnvoll; meist liegt kein Problem vor, seltene Ursachen werden aber früh erkannt. Früher oder später Durchbruch hat nichts mit Intelligenz oder Entwicklung zu tun.
Durchbruchsreihenfolge der Milchzähne
| Zahn | Unterkiefer | Oberkiefer |
|---|---|---|
| Mittlere Schneidezähne | 6–10 Monate | 8–12 Monate |
| Seitliche Schneidezähne | 10–16 Monate | 9–13 Monate |
| Erste Backenzähne | 14–18 Monate | 13–19 Monate |
| Eckzähne | 17–23 Monate | 16–22 Monate |
| Zweite Backenzähne | 23–31 Monate | 25–33 Monate |
Insgesamt gibt es 20 Milchzähne. Um das 6. Lebensjahr brechen die ersten bleibenden Molaren hinter den Milchzähnen durch, ohne dass ein Milchzahn ausfällt; sie werden oft für Milchzähne gehalten und vernachlässigt.
Symptome
- Vermehrter Speichelfluss, speichelbedingte Rötung an Kinn und Hals
- Schwellung und Rötung des Zahnfleischs, manchmal ein bläuliches Bläschen (Durchbruchszyste; öffnet sich meist von selbst)
- Alles in den Mund nehmen, Beißdrang
- Unruhe, gestörter Schlaf, weniger Appetit
- Leicht erhöhte Temperatur (nicht über 38 °C)
Was nicht dem Zahnen zugeschrieben werden darf
Hohes Fieber, Durchfall, Erbrechen, Ausschlag, Husten und Dauerweinen sind keine Zahnungszeichen. Weil diese Phase mit dem Rückgang der mütterlichen Antikörper und dem Alter zusammenfällt, in dem alles in den Mund wandert, sind Infektionen häufig; die Symptome sollten nicht den Zähnen zugeschrieben und verschleppt werden — zum Kinderarzt.
Sichere Methoden zur Linderung
- Kühler Beißring: Ein im Kühlschrank (nicht Gefrierfach) gekühlter Silikonring oder ein sauberes, kaltes Tuch.
- Zahnfleischmassage mit sauberem Finger: Leichter Druck lindert.
- Kaltes Essen: Bei Babys mit Beikost kalter Joghurt oder Fruchtpüree.
- Speichel abwischen und eincremen: Verhindert Reizung am Kinn.
- Schmerzmittel: Bei deutlicher Unruhe Paracetamol in der vom Kinderarzt empfohlenen Dosis; nicht auf eigene Faust beginnen.
Nicht empfohlen
- Zahnungsgele (mit Lidocain, Benzocain): Bei Babys wurden schwere Nebenwirkungen berichtet; in vielen Ländern eingeschränkt.
- Bernstein-/Zahnungsketten: Erstickungs- und Strangulationsgefahr; Wirksamkeit nicht belegt.
- Gefrorene Beißringe: Können Kälteschäden am Zahnfleisch verursachen.
- Honig, Süßes oder Zucker in der Flasche: Führen zu frühkindlicher Karies; Honig birgt unter 1 Jahr Botulismusrisiko.
Pflege ab dem ersten Zahn
- Sobald der erste Zahn da ist, zweimal täglich mit reiskorngroßer fluoridhaltiger Zahnpasta und weicher Babybürste reinigen. Ab 3 Jahren erbsengroß.
- Nachtflasche und Einschlafen an der Brust führen zu schneller Karies an den oberen Frontzähnen („Flaschenkaries“); nachts nur Wasser.
- Schnuller und Löffel nicht ablecken und dem Baby geben; Kariesbakterien gehen von der Mutter auf das Kind über.
- Der Schnuller sollte bis 2–3 Jahre abgewöhnt werden; langes Daumenlutschen und Schnullern beeinflussen die Kieferentwicklung.
Der erste Zahnarztbesuch
Nach dem ersten Zahn, spätestens mit 1 Jahr. Ziel ist neben der Untersuchung die Aufklärung der Familie und die Gewöhnung des Kindes an die Umgebung. Mehr: Der erste Zahnarztbesuch des Kindes und Kinderzahnheilkunde.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information; Diagnose und individuelle Behandlung erfordern eine zahnärztliche Untersuchung.


