Ratgeber · Implantate

Der Implantat-Ablauf Schritt für Schritt: von der Untersuchung bis zur Krone

Befund, Chirurgie, Einheilphase, Prothetik und Pflege — die Phasen der Implantatbehandlung und worauf in jeder Phase zu achten ist.

Der Implantat-Ablauf Schritt für Schritt: von der Untersuchung bis zur Krone — Illustration
Kurz gesagt

Die Implantatbehandlung besteht aus fünf Phasen: Befund (Röntgen/DVT), chirurgisches Einsetzen (30–60 Minuten in Lokalanästhesie), 2–4 Monate Einheilung (Osseointegration), prothetische Phase (2–3 Sitzungen) und lebenslange Pflege. Die Gesamtdauer beträgt bei den meisten Patienten 3–6 Monate, bei nötigem Knochenaufbau 6–12 Monate. Der Erfolg hängt direkt von Knochenqualität, Allgemeingesundheit, Rauchen und Mundhygiene ab.

Eine Implantatbehandlung ist kein einzelner Eingriff, sondern ein Prozess über mehrere Monate. Wer die Phasen vorher kennt, hat realistische Erwartungen und heilt leichter.

1. Befund

Bei der Untersuchung werden Zahnfleisch, Restzähne und Biss beurteilt. Das Panoramaröntgen zeigt Kieferknochen, Nervkanal und Kieferhöhle; bei grenzwertigem Knochenangebot wird eine 3-D-Aufnahme (DVT) angefertigt. Die Allgemeinanamnese (Diabetes, Herz, Medikamente, Rauchen) beeinflusst den Plan. Eine Parodontitis wird zuerst behandelt.

2. Chirurgisches Einsetzen

In Lokalanästhesie wird das Zahnfleisch mit einem kleinen Schnitt geöffnet, das Implantatbett im Knochen aufbereitet und das Implantat eingesetzt. Für ein einzelnes Implantat dauert der Eingriff meist 30–60 Minuten. Bei zu wenig Knochen kann in derselben Sitzung Knochenersatz eingebracht werden. In geeigneten Fällen wird das Implantat direkt bei der Extraktion gesetzt.

3. Die erste Woche

Am ersten Tag kalte Kompressen, danach weiche, lauwarme Kost. Verordnete Medikamente regelmäßig einnehmen; die Nahtregion nicht bürsten, sondern mit der empfohlenen Spülung reinigen. Schwellung und leichte Schmerzen für 2–3 Tage sind normal; die Fäden werden nach 7–10 Tagen entfernt. Rauchen ist in dieser Phase die wichtigste Ursache für Misserfolge.

4. Einheilphase

Das Verwachsen des Implantats mit dem Knochen (Osseointegration) dauert im Unterkiefer 2–3, im Oberkiefer 3–4 Monate. In dieser Zeit darf die Region nicht belastet werden; im sichtbaren Bereich kann ein Provisorium eingesetzt werden. Ein Kontrollröntgen bestätigt die Einheilung.

5. Prothetische Phase

Auf das Implantat wird ein Gingivaformer geschraubt; nach Ausformung des Zahnfleischs wird abgeformt. Krone, Brücke oder Implantatprothese werden im Labor hergestellt und in 1–2 Sitzungen eingesetzt. Der Biss wird kontrolliert.

6. Pflege

Ein Implantat bekommt keine Karies, aber Zahnfleisch und Knochen um das Implantat können sich entzünden. Zweimal tägliches Putzen, Interdentalbürsten oder Zahnseide und regelmäßige Kontrollen bestimmen die Lebensdauer. Im ersten Jahr alle 3–6 Monate, danach jährlich zur Kontrolle.

Häufig gefragt

Gesamtdauer? Ohne Knochenaufbau 3–5 Monate; mit Aufbau 6–9 Monate. Zurück zur Arbeit? Die meisten Patienten sind am nächsten Tag wieder im Alltag. Schmerzen? Während des Eingriffs keine; danach einige Tage leichte Schmerzen sind normal.

Wann sind Zusatzeingriffe nötig?

  • Knochenaufbau: In lange zahnlosen oder durch Parodontitis verlorenen Bereichen ist der Knochen dünn; verwendet werden Eigenknochen, Knochenersatzmaterial oder beides. Einheilung 3–6 Monate.
  • Sinuslift: Wenn im Oberkiefer-Seitenzahnbereich die Kieferhöhle dem Knochen nahe kommt, wird der Kieferhöhlenboden angehoben und aufgefüllt; das Implantat wird in derselben Sitzung oder 4–6 Monate später gesetzt.
  • Weichgewebsaufbau: Bei zu dünnem Zahnfleisch im ästhetischen Bereich.
  • Sofortimplantation: Implantat in der Extraktionssitzung; bei entzündungsfreien Fällen mit ausreichend Knochen verkürzt sich der Ablauf um 2–3 Monate.

OP-Tag und erste Woche — praktische Liste

  1. Frühstücken und die üblichen Medikamente einnehmen (bei Blutverdünnern die ärztliche Anweisung befolgen).
  2. 2 Stunden nach dem Eingriff nichts essen; am ersten Tag lauwarme bis kühle, weiche Kost.
  3. In den ersten 24 Stunden äußerlich kühlen (20 Minuten kühlen / 20 Minuten Pause), Kopf hochlagern.
  4. Verordnete Schmerzmittel und ggf. Antibiotika regelmäßig; mindestens 2 Wochen nicht rauchen.
  5. Ab dem nächsten Tag weiche Bürste und antiseptische Spülung; Nahtregion schonen.
  6. Tag 7–10: Fadenentfernung und Kontrolle.

Provisorische Zähne

Im Frontzahnbereich bleibt während der Einheilung keine Lücke: an die Nachbarzähne geklebtes Provisorium, herausnehmbarer Interimsersatz oder in geeigneten Fällen eine sofort auf das Implantat gesetzte provisorische Krone (außerhalb des Bisses).

Erfolg und Risiken

Richtig geplante Implantate haben nach 10 Jahren eine Erfolgsrate über 95 %. Ursachen für Misserfolge: fehlende Einheilung (erste Monate), Entzündung um das Implantat (Periimplantitis; durch Plaque und Rauchen), Überlastung (Zähneknirschen). Seltene Risiken sind vorübergehende Taubheit im Unterkiefer und Kieferhöhlenprobleme im Oberkiefer; die DVT-Planung senkt diese Risiken.

Pflege von Implantatzähnen

Kein Unterschied zum natürlichen Zahn: zweimal täglich Bürste, Interdentalbürste und/oder Munddusche um das Implantat, alle 6 Monate Kontrolle und professionelle Reinigung, jährlich Röntgen. Bei Knirschern schützt eine Nachtschiene Implantat und Keramik. Verwandte Artikel: Implantat oder Brücke? · Diabetes und Zahnfleisch · Rauchen und Mundgesundheit

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information; Diagnose und individuelle Behandlung erfordern eine zahnärztliche Untersuchung.

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