Ratgeber · Zahnfleisch

Diabetes und Zahnfleischgesundheit: Was Diabetiker wissen müssen

Die wechselseitige Beziehung zwischen Diabetes und Parodontitis, häufige Mundprobleme bei Diabetikern, Vorsichtsmaßnahmen vor Behandlungen und Kontrollhäufigkeit.

Diabetes und Zahnfleischgesundheit: Was Diabetiker wissen müssen — Illustration
Kurz gesagt

Diabetes erhöht das Risiko einer Zahnfleischerkrankung (Parodontitis) etwa um das Dreifache und verlangsamt die Heilung. Umgekehrt erschwert eine unbehandelte Zahnfleischentzündung die Blutzuckereinstellung. Diabetiker mit gut eingestelltem Blutzucker können wie Gesunde zahnärztlich behandelt werden; bei unkontrolliertem Diabetes wird zuerst der Zucker eingestellt. Eine Zahnfleischkontrolle alle 3–4 Monate wird empfohlen.

Eine wechselseitige Beziehung

Hoher Blutzucker senkt die Abwehr des Zahnfleischgewebes gegen Bakterien, schädigt die kleinen Gefäße und verlangsamt die Heilung; die Zahnfleischentzündung schreitet bei Diabetikern schneller fort und zerstört mehr Knochen. Die Zahnfleischerkrankung wiederum ist eine chronische Entzündungsquelle im Körper; sie erhöht die Insulinresistenz und kann den HbA1c-Wert steigern. Studien zeigen, dass die Parodontalbehandlung den HbA1c im Schnitt um 0,3–0,4 Punkte senkt. Deshalb gilt die Zahnfleischgesundheit als Teil der Diabetesbehandlung.

Häufige Mundprobleme bei Diabetikern

  • Zahnfleischerkrankung: Bluten, Rückgang, Lockerung, Zahnverlust.
  • Mundtrockenheit: Weniger Speichel bedeutet mehr Karies und Pilzinfektionen.
  • Pilzbefall (Candida): Weiße Beläge und Brennen am Gaumen und unter Prothesen; besonders bei Prothesenträgern.
  • Verzögerte Wundheilung: Nach Extraktionen und Chirurgie.
  • Geschmacksveränderung und Brennen
  • Karies: Nimmt mit Mundtrockenheit und häufigen Zwischenmahlzeiten zu.

Vor der Zahnbehandlung

  1. Informieren Sie Ihren Zahnarzt über Diabetes, Medikamente und den letzten HbA1c-Wert.
  2. Termin morgens nach Medikamenten und Frühstück; nicht nüchtern kommen (Hypoglykämiegefahr).
  3. Chirurgische Eingriffe (Extraktion, Implantat, Zahnfleischchirurgie) erfordern einen eingestellten Blutzucker; angestrebt wird meist ein HbA1c unter 8 %, Ihr Zahnarzt kann sich mit Ihrem Diabetologen abstimmen.
  4. Insulinpatienten sollten Hypoglykämiezeichen (Schwitzen, Zittern, Herzklopfen) sofort melden; in der Praxis ist Zucker vorrätig.
  5. Antibiotika und Heilungsverlauf werden nach Chirurgie enger überwacht.

Sind Implantate bei Diabetikern möglich?

Ja; bei eingestelltem Diabetes liegt die Erfolgsrate nahe der von Gesunden. Bei unkontrolliertem Diabetes verzögert sich die Einheilung und das Risiko einer Periimplantitis steigt; zuerst wird der Zucker eingestellt. In Kombination mit Rauchen steigt das Risiko deutlich. Siehe Implantate.

Pflege zu Hause

  • Zweimal täglich Bürste, täglich Interdentalreinigung; Sorgfalt am Zahnfleischrand
  • Bei Mundtrockenheit häufig Wasser, zuckerfreier Kaugummi, bei Bedarf künstlicher Speichel; alkoholhaltige Spülungen meiden
  • Prothesenträger nehmen die Prothese nachts heraus, reinigen sie und bürsten den Gaumen
  • Rauchstopp — Diabetes und Rauchen zusammen beschleunigen den Zahnfleischverlust
  • Bei Bluten, Schwellung, Lockerung oder nicht heilender Wunde ohne Warten zur Kontrolle

Kontrollhäufigkeit

Bei Diabetikern wird alle 3–4 Monate eine Zahnfleischkontrolle mit Reinigung bei Bedarf empfohlen; bei diagnostizierter Zahnfleischerkrankung kann der Zahnarzt kürzere Abstände festlegen. Zu den Behandlungsoptionen siehe Parodontologie.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information; Diagnose und individuelle Behandlung erfordern eine zahnärztliche Untersuchung.

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