Ratgeber · Allgemein
Pflege herausnehmbarer Prothesen: Reinigung, nachts herausnehmen, Druckstellen und wann erneuern?
Tägliche Reinigung von Voll- und Teilprothesen, nächtliches Tragen, Haftmittel, Vorgehen bei Druckstellen und Lockerung, Prothesenstomatitis, Zeitpunkt der Erneuerung und implantatgetragene Optionen.

Eine herausnehmbare Prothese sollte täglich mit weicher Bürste und Prothesenreiniger (nicht mit Zahnpasta) gebürstet, nachts herausgenommen und in Wasser oder Reinigungslösung aufbewahrt werden; Gaumen und Restzähne werden gesondert gebürstet. Eine drückende Prothese darf nicht selbst beschliffen werden; die Anpassung macht der Zahnarzt. Weil der Kieferknochen mit der Zeit abbaut, werden Prothesen alle 5–7 Jahre unterfüttert oder erneuert; bei Haltproblemen wird eine implantatgetragene Prothese erwogen.
Tägliche Reinigung
- Die Prothese nach jeder Mahlzeit herausnehmen und unter fließendem Wasser abspülen.
- Mindestens einmal täglich das Waschbecken mit Wasser füllen oder ein Handtuch auslegen (damit sie beim Fallen nicht bricht) und die Prothese mit weicher Prothesenbürste und Flüssigseife oder Prothesenreiniger bürsten. Zahnpasta ist abrasiv; sie zerkratzt den Kunststoff, und Kratzer halten Verfärbungen und Bakterien.
- Die Innenseiten der Metallklammern und die am Gaumen anliegende Fläche sorgfältig reinigen.
- Restzähne, Zahnfleisch, Gaumen und Zunge mit einer weichen Bürste bürsten; Gaumenmassage fördert die Durchblutung.
Nachts tragen?
Die Prothese sollte nachts herausgenommen werden; das Gewebe erholt sich, Prothesenstomatitis (Pilzbefall des Gaumens) und Knochenabbau werden verringert. Die Prothese darf nicht austrocknen: in Wasser oder in einer Reinigungstablettenlösung aufbewahren (bei Prothesen mit Metallklammern die Einwirkzeit des Herstellers beachten). Heißes Wasser verzieht den Kunststoff.
Haftmittel
Bei kleinen Haltproblemen kann eine dünne Schicht Haftmittel verwendet werden; ist täglich eine dicke Schicht nötig, passt die Prothese nicht mehr und muss unterfüttert oder erneuert werden. Haftmittelreste müssen täglich von Prothese und Gaumen entfernt werden. Langfristiger übermäßiger Gebrauch zinkhaltiger Mittel wird vermieden.
Druckstellen und Wunden
Bei einer neuen Prothese sind Druckstellen in den ersten 2–4 Wochen normal; der Zahnarzt beseitigt sie durch Anpassung. Die Prothese nicht selbst beschleifen; schon ein kleines Feilen zerstört den Halt. Eine drückende Prothese vor der Kontrolle einige Stunden zu tragen erleichtert es dem Zahnarzt, die Problemstelle zu sehen. Wunden, die in 2 Wochen nicht heilen, müssen zahnärztlich beurteilt werden.
Prothesenstomatitis
Ein roter, manchmal brennender Bereich unter der Prothese; hängt mit nächtlichem Tragen, unzureichender Reinigung, Diabetes und Mundtrockenheit zusammen. Behandlung: Prothesenhygiene, nachts herausnehmen, vom Zahnarzt empfohlenes Antimykotikum, Desinfektion der Prothese.
Warum lockert sich die Prothese?
Der zahnlose Kieferknochen baut sich über die Jahre ab; die Prothese bleibt gleich, und es entsteht ein Spalt. Lockerung, Eindringen von Speisen, Bewegung beim Sprechen und eingefallene Wangen sind die Zeichen. Lösung: Unterfütterung (Auftragen neuen Kunststoffs auf die Innenseite; 1–2 Sitzungen) oder Neuanfertigung (meist alle 5–7 Jahre). Eine gebrochene Prothese wird nicht zu Hause geklebt, sondern im Labor repariert.
Kontrollhäufigkeit
Auch für Vollprothesenträger jährliche Kontrolle: Passform der Prothese, Mundschleimhaut (Wunden, weiße/rote Flecken), Kiefergelenk und Zustand der Restzähne werden beurteilt.
Implantatgetragene Prothese
Besonders bei der unteren Vollprothese ist der Halt begrenzt. Eine auf zwei Implantaten verankerte Druckknopfprothese (Overdenture) erhöht Kaukraft und Sicherheit deutlich; auch festsitzende Implantatprothesen sind eine Option. Knochensituation und Allgemeingesundheit werden bei der Untersuchung beurteilt. Siehe Prothetik und Implantate.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information; Diagnose und individuelle Behandlung erfordern eine zahnärztliche Untersuchung.


