Ratgeber · Chirurgie
Pflege nach der Zahnentfernung: die ersten 24 Stunden, Ernährung und Anzeichen einer trockenen Alveole
Blutstillung nach der Extraktion, Schutz des Blutgerinnsels, was gegessen werden darf und was nicht, warum Rauchen und Spucken verboten sind, Verlauf von Schmerz und Schwellung und die Warnzeichen der trockenen Alveole (Alveolitis).

Die ersten 24 Stunden nach der Extraktion sind entscheidend, damit sich das Blutgerinnsel bildet: 30–45 Minuten fest auf den Tupfer beißen, nicht spucken, nicht spülen, keinen Strohhalm benutzen, nicht rauchen und heiße Speisen meiden. Schmerz und leichte Schwellung dauern 2–3 Tage und nehmen dann ab. Nach dem dritten Tag zunehmender, ins Ohr ausstrahlender starker Schmerz mit üblem Geruch ist ein Zeichen der trockenen Alveole; dann zum Zahnarzt.
Die ersten 24 Stunden: Das Gerinnsel ist alles
Das Blutgerinnsel, das sich in der Wunde bildet, ist der natürliche Verband, der den Knochen bedeckt und die Heilung einleitet. Alle Regeln des ersten Tages dienen dazu, dieses Gerinnsel nicht zu lösen:
- Tupfer: 30–45 Minuten fest auf die sterile Gaze beißen; nicht sprechen, nicht ständig nachsehen. Bei anhaltendem Nachbluten eine saubere Gaze weitere 30 Minuten. Rosafarbenes, mit Speichel vermischtes Nachbluten ist normal; ein Mund voll frischem Blut nicht.
- Nicht spucken, spülen oder Strohhalm benutzen: Der im Mund entstehende Unterdruck löst das Gerinnsel.
- Nicht rauchen: Mindestens 48–72 Stunden. Sowohl das Saugen als auch der Rauch stören die Heilung; das Alveolitisrisiko steigt um ein Vielfaches.
- Bis zum Abklingen der Betäubung nichts essen: Sie könnten sich in Lippe oder Wange beißen.
- Nichts Heißes, Hartes, Körniges: Lauwarme bis kühle, weiche Kost (Joghurt, Püree, lauwarme Suppe, Banane). Nicht auf der Extraktionsseite kauen.
- Mit erhöhtem Kopf ruhen; am ersten Tag schwere Anstrengung, Bücken und heißes Duschen/Baden meiden.
- Kühlen: Äußerlich auf die Wange, 15 Minuten kühlen–15 Minuten Pause, in den ersten 24 Stunden. Verringert die Schwellung deutlich.
Ab dem 2. Tag
Mit lauwarmem Salzwasser (ein Teelöffel Salz auf ein Glas lauwarmes Wasser) sanft reinigen — nicht spülen, sondern „einwirken lassen und auslaufen lassen“; 3–4-mal täglich, nach den Mahlzeiten. Die anderen Zähne normal putzen; die Wunde in den ersten Tagen nicht bürsten. Hat der Zahnarzt Antibiotika oder eine Spülung verordnet, wie angegeben anwenden.
Verlauf von Schmerz und Schwellung
Der Schmerz ist in den ersten 24–48 Stunden am stärksten und wird mit dem verordneten Schmerzmittel kontrolliert. Die Schwellung erreicht am 2.–3. Tag ihren Höhepunkt und geht dann zurück. Bei operativen Entfernungen wie Weisheitszähnen können erschwerte Mundöffnung und ein leichter Bluterguss 5–7 Tage anhalten. Nähte werden nach 7–10 Tagen entfernt oder lösen sich von selbst auf.
Was ist eine trockene Alveole (Alveolitis)?
Geht das Gerinnsel früh verloren oder bildet es sich nicht, liegt der Knochen frei. Anzeichen: 2–4 Tage nach der Extraktion beginnender, auf Schmerzmittel schlecht ansprechender, ins Ohr und in die Schläfe ausstrahlender starker Schmerz; grau-leeres Aussehen der Wunde; übler Geruch und Geschmack. Häufiger bei Rauchern, unteren Weisheitszähnen, Einnahme der Antibabypille und schwierigen Extraktionen. Die Behandlung macht der Zahnarzt: Die Wunde wird gespült und eine schmerzstillende medikamentöse Einlage eingebracht; in 1–2 Tagen deutliche Erleichterung. Nicht darauf warten, dass es von selbst vergeht.
Sofort zum Zahnarzt
- Aktive Blutung, die trotz Tupfer länger als 2 Stunden anhält
- Zunehmende Schwellung, Schluck- oder Atembeschwerden, Fieber
- Nach dem 3. Tag stärker werdender Schmerz und übler Geruch
- Taubheit von Lippe/Kinn, die länger als 24 Stunden anhält
Wann schließt sich die Wunde, und was kommt danach?
Das Zahnfleisch bedeckt die Wunde in 1–2 Wochen; der Knochen füllt sich in 2–4 Monaten und reift in 6 Monaten vollständig aus. Weil die Lücke die Nachbarzähne kippen und den Gegenzahn herauswachsen lässt, sollte die Planung des Ersatzes (Implantat, Brücke oder Prothese) nicht aufgeschoben werden. Mehr: Implantat oder Brücke?, Zahnentfernung und Oralchirurgie.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information; Diagnose und individuelle Behandlung erfordern eine zahnärztliche Untersuchung.

