Ratgeber · Zahnfleisch
Schadet die Zahnsteinentfernung den Zähnen? Wie oft sollte sie gemacht werden?
Ob die Zahnsteinentfernung dem Schmelz schadet, warum die Zähne danach empfindlich sind und Lücken spürbar werden, die empfohlene Häufigkeit und Gewohnheiten, die die Zahnsteinbildung zu Hause verringern.

Nein. Die Zahnsteinentfernung beseitigt mit Ultraschallspitze und Handinstrumenten nur verhärteten Belag (Zahnstein); gesundem Schmelz schadet sie nicht. Die Empfindlichkeit und das Gefühl von Lücken danach entstehen, weil vom Zahnstein bedeckte Flächen frei werden, und sind vorübergehend. Für die meisten Erwachsenen alle 6 Monate, bei Zahnfleischerkrankung alle 3–4 Monate empfohlen.
Was ist Zahnstein, und warum entsteht er?
Auf den Zähnen bildet sich täglich eine weiche Schicht, die Bakterienplaque. Plaque, die nicht mit Bürste und Zahnseide entfernt wird, beginnt mit den Mineralien des Speichels innerhalb von 24–72 Stunden zu verhärten und wird zu Zahnstein (Calculus). Mit seiner rauen Oberfläche erleichtert er das Anhaften neuer Plaque; er reizt das Zahnfleisch, führt zu Bluten, Rückgang und mit der Zeit zum Abbau des zahntragenden Knochens (Parodontitis). Mit der Bürste lässt er sich nicht entfernen, nur in der Praxis.
Schadet die Entfernung dem Zahn?
Das Ultraschallgerät sprengt den Zahnstein durch Schwingung ab und spült ihn mit Wasser weg; Handinstrumente glätten verbliebene Rauigkeiten. Diese Instrumente sind so ausgelegt, dass sie harten Zahnstein entfernen, den Schmelz aber nicht angreifen. Die Vorstellungen „macht die Zähne dünner“, „lockert die Zähne“, „öffnet Lücken“ sind falsch:
- Lückengefühl: Der Zahnstein hatte die Zwischenräume gefüllt und das Zahnfleisch verdrängt. Ist er weg, wird der Zwischenraum sichtbar; das Zahnfleisch erholt sich in wenigen Wochen.
- Lockerungsgefühl: Bei Zähnen, die der Zahnstein wie eine Schiene verbunden hatte und die eigentlich schon Knochen verloren haben, fällt die Beweglichkeit nach der Reinigung auf; Ursache ist nicht die Reinigung, sondern die vorbestehende Zahnfleischerkrankung.
- Empfindlichkeit: Freigelegte Wurzelflächen sind kälteempfindlich; das lässt in 1–2 Wochen nach, Sensitiv-Zahnpasta hilft.
- Bluten: Entzündetes Zahnfleisch blutet bei der Reinigung; das zeigt, dass sie nötig war. Es hört in wenigen Tagen auf.
Wie läuft die Behandlung ab?
- Untersuchung und bei Bedarf Röntgen; Messung der Zahnfleischtaschen.
- Entfernung des Zahnsteins über und am Zahnfleischrand mit der Ultraschallspitze.
- Feinreinigung mit Handinstrumenten; in tiefen Taschen Wurzelglättung (Kürettage), in Lokalanästhesie und meist in einer eigenen Sitzung.
- Politur: Die Oberfläche wird geglättet, neue Plaque haftet schlechter.
- Empfehlungen zu Putztechnik und Interdentalreinigung.
Eine einfache Reinigung dauert 20–40 Minuten; eine Betäubung ist nicht nötig. Bei empfindlichen Patienten kann Oberflächen- oder Lokalanästhesie eingesetzt werden.
Wie oft?
- Gesundes Zahnfleisch: Alle 6 Monate Kontrolle und bei Bedarf Reinigung.
- Zahnfleischerkrankung in der Vorgeschichte, Rauchen, Diabetes, schnelle Zahnsteinbildung: Alle 3–4 Monate.
- Kieferorthopädische Patienten, Schwangere: In vom Zahnarzt festgelegten, meist kürzeren Abständen.
Zahnsteinbildung zu Hause verringern
- Zweimal täglich 2 Minuten im 45°-Winkel zum Zahnfleischrand putzen
- Täglich Zahnseide oder Interdentalbürste — Zahnstein sammelt sich am meisten zwischen den Zähnen und hinter den unteren Frontzähnen
- Zahnpasten mit Zahnsteinkontrolle verlangsamen die Bildung, lösen vorhandenen aber nicht
- Weniger Rauchen und zucker-/säurehaltige Getränke
Zahnsteinentfernung in der Schwangerschaft?
Ja, sie ist sicher und empfohlen; Schwangerschaftshormone verstärken die Zahnfleischentzündung. Vorzugsweise im 2. Trimester. Mehr: Zahngesundheit in der Schwangerschaft.
Zu Stadien und Behandlung der Zahnfleischerkrankung siehe Parodontologie.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information; Diagnose und individuelle Behandlung erfordern eine zahnärztliche Untersuchung.


