Ratgeber · Zahnfleisch
Warum geht das Zahnfleisch zurück, und wächst es nach? Behandlungsoptionen
Die Ursachen des Zahnfleischrückgangs (hartes Putzen, Zahnfleischerkrankung, Zähnepressen, dünnes Zahnfleisch, Kieferorthopädie), Anzeichen, Wege, das Fortschreiten zu stoppen, und Behandlungen wie das Zahnfleischtransplantat.

Zurückgegangenes Zahnfleisch wächst nicht von selbst nach; sein Fortschreiten lässt sich aber stoppen, und in geeigneten Fällen kann die Wurzel mit einem Zahnfleischtransplantat gedeckt werden. Häufigste Ursachen sind hartes/horizontales Putzen, unbehandelte Zahnfleischerkrankung, Zähnepressen und ein angeboren dünner Zahnfleischtyp. Empfindlichkeit, länger wirkende Zähne und Kerben an der Wurzeloberfläche sind die Hauptzeichen.
Was ist Zahnfleischrückgang?
Das Zurückweichen des Zahnfleischs vom Zahnhals zur Wurzel, wodurch die Wurzeloberfläche freiliegt. Die Wurzel hat keinen Schmelz; deshalb steigen im zurückgegangenen Bereich Empfindlichkeit, Karies- und Abnutzungsrisiko. Der Zahn wirkt „verlängert“, zwischen den Zähnen können schwarze Dreiecke entstehen.
Ursachen
- Hartes und horizontales Putzen: Trägt das Zahnfleisch mechanisch ab; meist an Eck- und Prämolaren, bei Rechtshändern meist links stärker.
- Zahnfleischerkrankung (Parodontitis): Die durch Plaque und Zahnstein bedingte Entzündung baut den Knochen ab; geht der Knochen zurück, geht das Zahnfleisch mit. Häufigste und wichtigste Ursache.
- Zähnepressen und Kaubelastung: Übermäßige Kraft verursacht Kerben am Zahnhals (Abfraktion) und Rückgang.
- Dünner Zahnfleischtyp: Ein angeboren dünnes, schmales Zahnfleischband geht leichter zurück.
- Fehlstehende Zähne und Kieferorthopädie: Rückgang an Zähnen, die aus dem Knochen herausgeschoben werden; in der Behandlungsplanung berücksichtigt.
- Hoch ansetzende Bändchen (Frenulum): Ziehen bei Lippenbewegung am Zahnfleisch.
- Rauchen, Piercings, überstehende Füllungs-/Kronenränder.
Anzeichen
Kälte-Wärme-Empfindlichkeit, gelbe Wurzeloberfläche und Kerbe am Zahnhals, Rötung und Bluten des Zahnfleischs (bei Krankheitsursache), länger wirkende Zähne, Lücken zwischen den Zähnen, Einklemmen von Speiseresten.
Wächst es nach?
Verlorenes Zahnfleisch regeneriert sich nicht von selbst. Aber (1) wird die Ursache beseitigt, stoppt das Fortschreiten, (2) bei leichtem bis mittlerem Rückgang kann die Wurzeloberfläche mit einem Zahnfleischtransplantat wieder gedeckt werden. Frühes Eingreifen bestimmt das Ergebnis; Lücken zwischen Zähnen mit vollständig verlorener Knochenunterstützung lassen sich chirurgisch oft nicht ganz schließen.
Behandlung
- Beseitigung der Ursache: Putztechnik (weiche Bürste, 45°, kreisend), Nachtschiene bei Pressen, Reinigung und Kürettage bei Zahnfleischerkrankung, Korrektur überstehender Restaurationen, Rauchstopp.
- Empfindlichkeitskontrolle: Sensitiv-Zahnpasta, Fluoridlack, Bonding auf der freiliegenden Wurzel.
- Kompositrestauration: Deutliche Kerben am Zahnhals werden mit Komposit gefüllt; Empfindlichkeit und Kariesrisiko sinken.
- Zahnfleischtransplantat (Rezessionsdeckung): Bindegewebe vom Gaumen oder ein Ersatzmaterial wird unter das über den Rückgang verschobene Zahnfleisch gelegt. 45–90 Minuten in Lokalanästhesie; 2 Wochen Nähte; das Zahnfleisch wird dicker und die Wurzel gedeckt. Der Erfolg hängt von der Tiefe des Rückgangs und dem Knochen-/Zahnfleischniveau der Nachbarn ab.
- Frenektomie: Korrektur des am Zahnfleisch ziehenden Bändchens.
Rückgang vorbeugen
- Weiche Bürste, leichter Druck; bei elektrischer Bürste Drucksensor
- Zahnfleischbluten ernst nehmen, alle 6 Monate Kontrolle
- Bei Pressanzeichen eine Schiene
- In kieferorthopädischen Plänen die Zahnfleischdicke beurteilen
Zu Stadien und Behandlung der Zahnfleischerkrankung siehe Parodontologie; zu den Ursachen des Blutens Warum blutet das Zahnfleisch?
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information; Diagnose und individuelle Behandlung erfordern eine zahnärztliche Untersuchung.

